Fototipp: Begegnung mit einer Amaryllis

AmaryllisBegegnung mit einer Amaryllis??

Vermutlich kommt dir diese Überschrift erst mal ziemlich seltsam vor! Im Folgenden will ich dir zeigen, dass man an ein  Motiv durchaus auf unterschiedliche Weise herangehen kann.
Die Amaryllis (auch Ritterstern genannt) entfaltet um Weihnachten ihre volle Blüte und und zeigt ihre Schönheit oft bis in den März hinein.(Wenn du mehr zu der – übrigens giftigen! – Pflanze erfahren willst, schau z.B. mal hier!)
Vor der Blütezeit ist ihr ganzes Potenzial versteckt in einer eher unscheinbaren und nicht unbedingt attraktiven Knospe.
Da die Amaryllis nicht nur aus fotografischer Sicht ein lohnenswertes Motiv ist, sondern auch symbolhaft für die eigene Entwicklung stehen kann, werde ich auf beide Aspekte eingehen. Wenn du schon eine Amaryllis zuhause stehen hast, umso besser. Wenn nicht: es gibt sie derzeit in jedem Blumengeschäft und meist auch in Baumärkten!

Vor dem Fotografieren: Nimm dir Zeit zum Schauen!

Hinschauen, wahrnehmen, sich ganz auf ein Motiv konzentrieren: Das ist eine besten Möglichkeiten, in Stress-Situationen zur Ruhe zu kommen. Der Kopf wird frei von allen Sorgen, die durch unseren Kopf geistern und wird sind ganz da im Augen-Blick.
Darf ich dir ein paar Fragen stellen zum Nach-Denken?
  • Amaryllis-KnospeVielleicht hat deine Amaryllis noch eine geschlossene Knospe. Kennst du das auch? Du bist verschlossen, willst dich vielleicht anderen gegenüber gar nicht öffnen. Das kann ein Schutz sein, um nicht verletzt zu werden. Und das ist auch gut so!
  • Aber eine geschlossene Knospe verbirgt auch die Pracht einer wunderschönen Blüte. Auch in dir steckt eine Menge an Talenten, an gewachsenen Fähigkeiten, an Lebenserfahrung, Vielleicht gehörst du zu denen, die das nicht lautstark nach aussen hin zeigen. Versteck dich nicht! Du hast viel zu geben und kannst einen wichtigen Beitrag leisten zu einer interessanteren und lebenswerteren Welt!
  • Natürlich geht das nicht von Null auf Hundert. Das Wachstum erfolgt im Inneren, auch eine Knospe öffnet sich erst langsam und vorsichtig. Stell dir vor, wie viele darauf warten, dass sie sich endlich öffnet und zeigt, was in ihr steckt.
  • Nimm dir Zeit für dein inneres Wachstum. Je mehr wir von aussen gesteuert werden durch den Job, durch Stress zuhause, durch die tägliche Medien- und Emailflut …, umso mehr müssen wir die Kraft in uns selbst (wieder) finden.
  • Auf Pflegeanleitung meiner Amaryllis steht: sie mag keine nassen Füsse, und braucht vor allem Licht und Wärme. Wo gibt es in deinem Leben Möglichkeiten, Licht und Wärme „zu tanken“? Das können Freunde sein, Musik, Kerzen in den Wohnung, ein Buch, eine Meditation am Morgen… Finde deine Möglichkeiten!
  • Wenn du ein Makro-Objektiv hast und hernach die Blüte fotografierst, wirst du merken: da steckt noch viel viel mehr drin, was wir mit bloßem Auge gar nicht wahrnehmen können! So wie in dir!
  • Hast du bemerkt, dass es einen liebevollen Zugang zu einem Motiv gibt, der so gar nichts zu tun hat mit schnellem Knipsen? Dann wollen wir uns jetzt der Technik zuwenden.

Nun zum Fotografieren der Amaryllis: was brauchst du?

  • Das Ergebnis hängt natürlich auch von deiner Ausrüstung ab! Aber nicht nur – ich werde dir hernach zeigen, dass du auch mit einer Kompaktkamera schöne Ergebnisse erzielen kannst!
  • Die optimale Ausrüstung ist ein 1:1 Makro-Objektiv. Ich habe für die Aufnahmen in diesem Artikel das Tamron SP 90mm F/2.8 Di VC USD Makro-Objektiv 1:1 für Nikon
    verwendet – ein hervorragendes Objektiv zu einem super Preis! – Gibts natürlich auch für Canon, Sony oder Pentax!
  • Für Makro-Aufnahmen auf jeden Fall ein Stativ verwenden!
  • Ein Fernauslöser ist von Vorteil, alternativ kann man den Zeitauslöser der Kamera verwenden.
  • Bei der Ausleuchtung hat mir ein LED Makro-Ringlicht gute Dienste geleistet.

Die Kamera-Einstellungen

  • Wähle die Blendenvorwahl (Drehrad A/Av an der Kamera)
  • Mit einem Makro-Objektiv ist die Schärfentiefe sehr gering. 1mm vor oder zurück und schon bis du in einem anderen Schärfebereich. Wähle zunächst eine mittlere Blende (5.6 oder 8).
  • ISO möglichst niedrig (100 oder 200 ISO), um Bildrauschen zu vermeiden
  • Falls vorhanden: Spiegelvorauslösung einschalten
  • Wichtig: Falls vorhanden, Bildstabilisator ausschalten! So gibt es unscharfe Bilder!
  • Von Autofokus (AF) auf Manuellen Fokus (MF) umstellen und Entfernung am Objektiv per Hand einstellen
  • Zum genauen Fokussieren auf Liveview umschalten und mit der Vergrößerungslupe am Display Schärfe kontrollieren
  • Falls du keinen Fernauslöser hast: Zeitauslöser auf einige Sekunden Vorlaufzeit einstellen und dann auslösen
  • Wenn du mehr über die Technik wissen möchtest, empfehle ich dir den Gratis-Fotokurs oder den Fotozauber-Lehrling
  • Nun probiere einfach aus! Lass dir Zeit dabei (wir wollen ja nicht knipsen!) und nimm deine Amaryllis aus unterschiedlichen Perspektiven auf!

Geht das auch mit einer Kompaktkamera?

Ja, das geht! Die meisten „Kleinen“ haben eine Makrofunktion (Symbol Blume). Du musst nur dabei beachten, dass du im Weitwinkelbereich bist (nicht zoomen!) und nahe rangehst! Hier zwei Bildbeispiele, aufgenommen mit der Sony DSC-RX100– sie ist meine „Immer-dabei-Kamera“ und macht hervorragende Bilder!

Amaryllis Blende 1.8

Blende 1.8 – wenig Schärfentiefe

Amaryllis Blende 11

Blende 11 – hohe Schärfentiefe

Zum Vergleich zwei Aufnahmen mit dem Makro-Objektiv an der Spiegelreflexkamera:

Amaryllis Blende 5.3

Blende 5.3

Amaryllis

Blende 64 … ja das ist mit diesem Objektiv möglich!

Und noch zwei Bildbeispiele:

Amaryllis Blütenstempel

Mit bloßem Auge kaum sichtbar

Amaryllis

Wirkt auch in schwarzweiß

 

Viel Spaß beim Umsetzen … im Leben und mit der Kamera!

 

4 Kommentare zu “Fototipp: Begegnung mit einer Amaryllis

  1. Olaf Lehmpfuhl

    Hallo Georg,

    für mich als Laien sind die Artikel immer hochinteressant und haben zum anderen auch noch den großen Vorteil, dass der Verkauf von Zubehörartikeln angekurbelt wird. Viele der Hilfsmittel kannte ich nicht einmal oder hatte sie zumindest nicht in meinem Arsenal. Am besten gefallen mir die Artikel über Situationen des Alltags oder Naturaufnahmen. Bei mir macht sich jedes Mal eine gewisse Vorfreude breit, wenn ich an die Umsetzung in der Natur und die hoffentlich guten Ergebnisse denke. Es scheint dann möglich, die Zeit einzufrieren. Am schönsten ist es, spontane und nicht vorbereitete Situationen zu fotografieren und darüber hinaus im Ergebnis auch noch ein gelungenes Bild zu erhalten. Später kommt hinzu, dass man beim Betrachten nochmal die Situation bei der Aufnahme der Fotografie durchgehen kann und in Erinnerung schwelgen kann. Ich beobachte immer wieder gern, dass es unheimlich schwer ist, Dritte an Fotografien zu fesseln – ohne dass sie eine direkte Beziehung zur Situation haben.

    Größte Freude bereiten uns Anleitungen zum Fotografieren von Tieren. Wir selbst haben seit vielen Jahren immer große Hunde und sind natürlich auch viel in der Natur unterwegs. Spannend ist die Herausforderung an uns, diese Situation, wenn beispielsweise zwei Hunde miteinander spielen, auf den Chip zu bannen und zu Hause die Ergebnisse zu betrachten. Wir stellen immer wieder fest, dass wir durch die Foto-Tipps wertvolle Hinweise erhalten, die uns – das Ergebnis betrachtend – viel Freude bereiten.

    Vielen Dank für die spanenden Tipps!

    Liebe Grüße aus Berlin

    Olaf und Marika

    1. wp_admin

      Lieber Olaf, liebe Marika,

      vielen Dank für euren Beitrag – ja, genauso verstehe ich die „Meditative Fotografie“. Sie ist inzwischen für meinen oft stressigen Alltag ein wirklich hilfreicher Ausgleich.

      Ja ich sehe es auch so: die Beziehung zu einem Foto entsteht zuerst durch das Fotografieren selbst. Das ist genauso wie bei Büchern: was für mich im Augenblick wichtig und hilfreich ist, muss es nicht auch für andere sein.

      Kleiner Tipp für Hundefotografie – im letzten Newsletter von ColorFoto kam dazu ein interessanter Beitrag:

      http://www.colorfoto.de/ratgeber/hunde-fotografieren-tipps-bewegung-portrait-einstellungen-2757929.html

      Liebe Grüße
      Georg

  2. Steve

    Ein sehr schöner Beitrag Georg. Die Mischung aus Kunst, Philosophie und einer Prise Technik sind sehr dir sehr gelungen. Vielleicht könntest du noch etwas mehr über die Ausleuchtung und das wirklich sehr gelungene Schattenspiel der ersten beiden Bilder sagen. Liebe Grüße Steve

    1. wp_admin

      Hallo Steve, danke für deinen Beitrag! Das Schattenspiel ergab sich einfach dadurch, dass ich mit dem Ringlicht nahe am Motiv war und das Motiv selbst nur ca. 30-40cm von der Wand entfernt war.
      Liebe Grüße!
      Georg

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